Lange Zeit dominierte – nicht nur in Sachen Gaming – der Gedanke „Macs sind überteuert“ die Köpfe vieler leistungshungriger Windows-Nutzer. Meinen inklusive! Bis zu diesem Jahr.
Vor drei Jahren kaufte ich mir einen ASUS ROG Strix G171 Laptop mit einer RTX 3070 Ti für zu jener Zeit unschlagbare 2.000 €. Ein solider Laptop, welcher bislang auch nur einmal kurz nach Ablauf der 2-jährigen Garantie einen Totalschaden an der Grafik erlitt, welcher dank meines beim Kauf zusätzlich erworbenen Schutzbriefes kostenlos repariert wurde (andere Geschichte).
3 Jahre lang habe ich auch auf diesen Laptop geschworen, bis mir neulich ein Angebot für ein MacBook unter die Nase geriet. Ein MacBook Pro 16″ mit M4 Pro für 2.529 €.
Die zunehmende Sorge, dass mein vorheriger Laptop trotz regelmäßiger Entstaubung bald den Geist aufgeben könnte und das Bedürfnis nach einem Laptop, der meinen fotografischen Anforderungen (Bildbearbeitung, Portabilität für Urlaub) gerecht werden kann und dabei nicht meinen Schoß dritten Grades verbrennt, haben mich letztendlich überzeugt, dem MacBook eine Chance zu geben. Schließlich drang auch zu mir die Nachricht durch, dass Apple mit seinen eigens entwickelten ARM-Prozessoren einen enormen Sprung in der Effizienz hinlegen konnte, den ich gerne selbst erfahren wollte.
Aufgrund des Titels werde ich mich in diesem Artikel bloß auf den Gaming-Aspekt konzentrieren, da das MacBook mich hier positiv überrascht hat. Später kommt vielleicht mal ein generelles Fazit zum Umstieg aufs MacBook.


Praxis-Vergleich: Minecraft mit Shaderpack
Alleine der Desktop-Betrieb am MacBook läuft mit dem M4 Pro so blitzschnell, dass ich schon erahnen konnte, dass hier genug Leistung für mindestens kleinere Spiele drin stecken müsste. Deshalb habe ich es gewagt, Steam herunterzuladen. Dort gibt es direkt die Möglichkeit, seine Bibliothek mit einem kleinen Apple-Icon nach mit macOS-kompatiblen Titeln zu filtern. Dabei fielen 50 % der Spiele leider direkt weg.
Für meinen winzigen Direktvergleich zog ich allerdings das bewährt-unoptimierte Spiel Minecraft mit Shaderpack heran, da das auch einer der wenigen reproduzierbaren Titeln aus meiner Bibliothek ist, der auch auf macOS verfügbar ist.
Also habe ich auf beiden Notebooks frisch Minecraft installiert, Version 1.21.8 mit Iris + Sodium und natürlich beide mit dem gleichen Shaderpack. Beide Laptops werden während des Tests mit Netzstrom versorgt.

Das MacBook nutzt für das Spiel nicht seine volle Retina-Display-Auflösung, sondern spielt Minecraft auf 1920 x 1200, also etwas mehr Auflösung als auf dem ASUS Laptop mit nativen 1920 x 1080.
Doch ich bin schockiert (oder besser: überrascht). Mit Shaderpack lässt sich das MacBook kaum unter die 90 FPS bringen. Und das bei konstanter Framerate! Während der ASUS zwar mit ca. 180 FPS startet, kratzt er nach wenigen Minuten Dauerlast dann gerade so noch an den 140 FPS – mit Einbrüchen alle paar Sekunden auf 60 FPS – ein spürbares Stottern, welches mich auch die letzten 3 Jahre gestört hat.
Unter den gleichen Umständen bleibt das MacBook konstant bei 90-100 FPS. Wie bitte? Und keinerlei Stottern! Keine Lüfter, die bis auf Turbinenlautstärke hochdrehen. Sehr beeindruckend, ehrlich.
Auch interessant: Während meines Tests habe ich die Zeit gestoppt, wie lange es dauert, das Spiel zu starten und eine bestehende Welt zu laden:
| MacBook Pro M4 Pro | ASUS ROG Strix G17 | |
| Minecraft starten | 8,7 sek | 19,6 sek |
| Welt laden | 2,2 sek | 5,9 sek |
Unigine Heaven Benchmark
Nachträglich habe ich auf beiden Geräten noch einmal den Unigine Heaven Benchmark (jeweils in OpenGL) ausgeführt mit Quality „Ultra“ und Tessellation „Extreme“. Hierbei habe ich zwei Durchläufe ausgeführt. Der erste aus dem Idle-Betrieb und den zweiten direkt nach dem ersten Durchlauf, als beide Geräte schon warm waren.
1. Durchlauf (kalt)
| MacBook Pro M4 Pro | ASUS ROG Strix G17 | |
| FPS | 95,0 FPS | 105,9 FPS |
| Score | 2394 | 2667 |
| Min FPS | 13,9 FPS | 9,0 FPS |
| Max FPS | 262,4 FPS | 245,1 FPS |
Im ersten Durchlauf schneidet der ASUS-Laptop in den durchschnittlichen FPS etwas besser ab. Das MacBook jedoch hat die höheren minimalen FPS. Das deckt sich wieder mit meinem stotternden Eindruck aus dem vorherigen Test.
2. Durchlauf (warm)
| MacBook Pro M4 Pro | ASUS ROG Strix G17 | |
| FPS | 96,0 FPS | 90,8 FPS |
| Score | 2417 | 2287 |
| Min FPS | 19,7 FPS | 21,6 FPS |
| Max FPS | 263,9 FPS | 245,1 FPS |
Im zweiten Durchlauf zeigt sich schnell, dass das Kühlsystem des ASUS-Laptops unter Höchstlast nicht standhalten kann. Hier lässt er sich vom MacBook ein- und überholen. Das MacBook erzeugt hier außerdem nur einen Bruchteil des Lüfterlärms und bleibt fast unhörbar.
Mac-Gaming: Keine Frage der Hardware mehr
Dafür, dass Gaming auf dem Mac quasi ein Tabuthema ist, lief das eigentlich echt gut. Weder die Hardware, noch der Preis sind also noch der Grund, weshalb wir kaum über „ernsthafte“ Videospiele auf dem Mac reden. Sondern der Fakt, dass selbst heute noch Spiele neu veröffentlicht werden, die nicht nativ auf macOS laufen bzw. große Titel wie Grand Theft Auto V nie auf macOS portiert wurden. Schauen wir mal, was die Zukunft bereit hält!

Zum Minecraft-Test: Für beide Instanzen habe ich die oben stehenden Grafikeinstellungen festgelegt.

